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Haus Schulenburg in Gera

von Henry van de Velde

Bildurheber: Beate Arndt

Abwechselungsreiche Landschaften, Geschichte und Tradition, Klassik und Moderne. In Thüringen gehören Natur und Kultur zu den wichtigsten Schätzen des Landes. Erinnerungen an Luther, Bach, Goethe und Schiller locken seit Generationen Gäste in die geografische Mitte Deutschlands. Doch Thüringen hat mehr als die altbekannten Klassiker. Durch das Land der Burgen und Schlösser führt die "Europäische Van-de-Velde-Route". Nicht nur für Architekturliebhaber ist interessant, dass sich in Thüringen und dem benachbarten Sachsen die größte Dichte restaurierter oder in Restaurierung befindlicher Gebäude des belgischen Architekten Henry van de Velde befindet. Durch Zweckentfremdung in den vergangenen Jahrzehnten sind zahlreiche Objekte in Vergessenheit geraten, wurden beziehungsweise werden jetzt in liebevoller Kleinarbeit restauriert.

Am westlichen Rand von Gera liegt das Haus Schulenburg. Als der Textilfabrikant Paul Schulenburg 1906 auf der Dresdner Kunstgewerbeausstellung ein Speisezimmer Henry van de Veldes erwarb, war er so begeistert, dass er sich einige Jahre später von dem belgischen Architekten ein geräumiges Landhaus entwerfen ließ. Henry van de Velde realisierte diesen Auftrag 1913/1914 im Sinne eines Gesamtkunstwerkes. Es war sein letzter großer Auftrag in Thüringen, bevor er 1917 Deutschland aufgrund starken politischen Drucks verlassen musste.

Bildurheber: Beate Arndt

Haus und Garten von Haus Schulenburg stehen heute unter Denkmalschutz. Auch hier haben von 1950 bis 1990 Zweckentfremdungen Spuren hinterlassen. Seit 1996 ist die Schulenburgvilla in Privatbesitz und für Besucher zugänglich. Mit viel Liebe zum Detail wurde das Gebäudeensemble restauriert. Inzwischen erstrahlen Haus, die kulturhistorisch wichtigen Salons und Innenräume, das Nebengebäude mit der Garage für einen "Maybach" (heute Cafeteria), Durchfahrt und Innenhöfe im Glanz von 1913/1914. Von Beginn an wurden 3500 Quadratmeter Garten in die Restaurierung einbezogen, zugeschüttete Wegführungen frei gelegt, Brunnen, Terrassen, Pavillons, Pergola, erneuert und bepflanzt. Selbst die Lilien- und Rosensorten stimmen mit denen überein, die im vergangenen Jahrhundert in Paul Schulenburgs Garten standen.

Bildurheber: Beate Arndt

Dem heutigen Besitzer ist eine originalgetreue Restaurierung gelungen. Europaweit und akribisch war die Suche nach originalen Bauplänen, Entwürfen, historischen Fotos, Stoffmustern und Baumaterialien. Gemeinsam mit den Farb- und Materialbefunden vor Ort dienten sie als Vorlage für die Ergänzung von Holzvertäfelungen, Fliesen, Lampen und Wandbespannungen.

Imposant sind die Treppe von der Diele zur Galerie und das wiederhergestellte Oberlicht. Henry van de Velde entwarf für Paul Schulenburg nicht nur Garten und Haus, sondern auch Möbel und Gebrauchsgegenstände wie Porzellangeschirr und Silberbesteck.

Bildurheber: Beate Arndt

Haus Schulenburg beherbergt ein Privatmuseum mit der weltweit zweitgrößten Sammlung von Buchgestaltungen van de Veldes, weiterhin mit Möbeln, Textilien, Entwurfszeichnungen und Veröffentlichungen des Künstlers. Ergänzt wird diese Dauerausstellung durch zahlreiche Ölgemälde und Gouachen des Weimarer Künstlerehepaares Heinrich Linzen und Hilde Linzen-Gebhardt. Beide führten in den 20er und 30er Jahren Auftragsarbeiten für Schulenburgs aus. Seltene Bürgeler Keramiken, die unter dem Einfluss Henry van de Veldes entstanden sind, runden die Ausstellung ab.

Wechselnde Ausstellungen sowie eine Kleinkunstbühne mit Kabarett- und Musikveranstaltungen locken jährlich Gäste aus dem In- und Ausland in die Jugendstilvilla.


Führungen durch Haus Schulenburg Gera sind zu den Öffnungszeiten oder nach Absprache jederzeit möglich.

Haus Schulenburg

Straße des Friedens 120

07548 Gera

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